Fang Lijun. Sea and Sky

Kunsthalle Bielefeld seit 30. August bis zum 1. November 2009

Der 1963 in der chinesischen Provinz Hebei geborene Fang Lijun ist ein Künstler von Weltruf, der seit 1995 in den Niederlanden, Frankreich, Japan und New York Einzelausstellungen hatte. Sein Europadebüt im internationalen Kunstkontext erlebte er 1994 mit der Ausstellung „Welt-Moral“ in der Kunsthalle Basel. Zwei Retrospektiven in China und die Vorstellung seiner großformatigen Holzschnitte im Berliner Kupferstichkabinett 2006 zeigten, in welchem Ausmaß er zu den prägenden Persönlichkeiten der internationalen Kunstszene zählt.

Fang Lijun: 1993.1, 1993 - Acryl/Lw., 180 x 230 cm - Hanart TZ Gallery, Hong Kong

1993.1, 1993 (Acryl/Lw., 180 x 230 cm)

Hanart TZ Gallery, Hong Kong

Seine ab 1989 entstehenden glatzköpfigen, monumentalen  Männerfiguren, die ihren Mund zum Schrei geöffnet haben, wurden zum programmatischen Bild der chinesischen Kunst des Aufbruchs der 1990er Jahre. Eines erschien sogar auf dem Cover der New York Times anlässlich einer Story über die junge Kunstszene Chinas. Die als Alter Ego des Künstlers erscheinenden, schweigenden oder gähnenden, manchmal schreienden Köpfe wirken aggressiv wie gleichgültig, aber auch passiv und gelangweilt. Ihr ambivalenter Ausdruck wurde als „Zynischer Realismus“ eines Künstlers erkannt,  der für die Generation des „Mao goes Pop“, so eine Ausstellung 1993 in Sydney, stand. Wie kein Anderer hat Fang Lijun die politische Unterdrückung der Chinesen vor und nach 1989 mit einer künstlerischen Form von Gleichmut und Distanz quittiert.

Die Kunsthalle Bielefeld zeigt eine Retrospektive des Künstlers mit rund einhundert, teilweise sehr großformatigen Gemälden und Skulpturen, die mit dem Museum of Fine Arts in Taipeh vorbereitet wurde. Als Auftakt werden Fangs früheste Arbeiten, unwirtliche Landschaften, bevölkert von einsam schreitenden Männern, und anonym wirkende Menschengruppen, in denen er Gesellschaft und Arbeit thematisiert, gezeigt. Später öffnet er den Raum, in dem er seine Figuren im Wasser oder im Himmel schweben lässt. In diesen Werken treten Vögel, Babys, Blumen und Insekten als Allegorien auf.

Im Verlauf von fünfzehn Jahren entwickelt Fang eine zeitgenössische Historienmalerei, in der er die chinesische Gesellschaft als von Mühsal wie von Heiterkeit, von düsterer Leere wie von flirrender Leichtigkeit geprägt, schildert.

Es wird ein Begleitfilm gezeigt, in dem Fang Lijuns Arbeit in einem Künstlerinterview beleuchtet wird.

Die Ausstellung wird von der Kulturstiftung Pro Bielefeld unterstützt.

Quelle: Bielefeld [ Kunsthalle ]

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